Tagebuch

Von den Dramen die man in der Grundschule erlebt…

(Fotos vom Sommer 2019)

Was ist schlimmer als mit 9 Jahren für den Jungen zu schwärmen der heimlich im privaten Tagebuch gelesen hat? Richtig, ihm in der Schule zu zu brüllen das man “ihn liebt”, und am besten auch noch so, dass der ganze Flur es hört. Ob ich das getan habe? Naja..

Aber fange ich erstmal vorne an zu erzählen. Wie die meisten SchülerInnen in der dritten Klasse, war auch ich total verknallt, in einen Jungen. Also was tut man als Grundschülerin, die stolz darauf ist endlich das Alphabet zu kennen? Genau, man schreibt Tagebuch! Und damit das ganze noch Klischeehafter ist: Das nette Buch hatte einen Rosafarbenen Rand und auf dem Cover war ein Pferd drauf. (Aber ehrlich, so war ich nicht, meine Großmutter hat eben mitgeredet..). Gut verschlossen stellte ich das Buch in der Schule in mein Fach. Natürlich hatte ich keine Bedenken das jemand daran käme, immerhin hatte es ja ein Schloss und nur ich den Schlüssel. Das all diese Bücher die selben Schlösser haben, begriff ich natürlich erst knapp zwei Jahre später. Jedenfalls fand Louis (wir nennen ihn jetzt einfach mal so, seinen echten Namen nenne ich nicht) eben jenes Tagebuch zufällig. Also ich gehe ja schwer davon aus, dass meine damalige beste Freundin ausgeplauderte das ich auf ihn gestanden habe, weil wer öffnet einfach irgend ein Tagebuch? Jedenfalls hat er darin gelesen. Und natürlich stand genau das darin, was ihr Leser gerade denkt das darin stand. Ich bin mir jedoch nicht mehr so ganz sicher ob ich plante ein Prinzessinnenkleid, oder ein Meerjungfrauenkleid bei unserer Hochzeit zu tragen.. (denkender Emoji) Naja, halb so Wild, dass er darin gelesen hat erfuhr ich dann auch erst viel später, als er es mir erzählte. Ob die Tragödie hier endet? Nein, nein Quatsch, natürlich nicht! Jetzt kommen wir nämlich zum besten Part!

Eines wunderschönen Morgens kam ich in der Schule an und eine meiner besten Freundinnen kam mit strahlendem Gesicht zu mir. Super Sache denkt man sich, nicht? Sie ist happy, ich auch, wird doch ein geiler Tag? Nicht so ganz.., der Grund für ihr strahlendes Gesicht war nämlich die Tatsache das sie mit Louis zusammen gekommen war. Also zusammen in dem Sinne, in dem man es eben mit 9 Jahren sein kann. Das bedeutet man schaut sich ab und an lächelnd an und erzählt jedem man wäre ein Paar, mehr aber auch nicht. Knutschen bleibt also ein Fremdwort. (vielleicht sollte ich die Erzählung mehr am Stil “Bollywood” anlehnen, statt an Hollywood?)
Wie viel man wegen jemandem weinen kann, lernte ich noch am selben Nachmittag zu Hause. Dort angekommen heulte ich mich bei meinem Vater aus. Ich redete darüber wie sehr mein Herz doch an ihm hing und was für eine “blöde Kuh” (ja solch schlimme Worte kamen aus meinem Mund!) meine beste Freundin doch war. Also das volle Programm, und wenn ich sage das volle Programm meine ich das volle Programm. Mit Schokolade, Kissen voll weinen und allem was eben so dazu gehört. (Die Schokolade entpuppte sich nachher übrigens als das beste an all dem) Erneut musste auch mein Tagebuch dran glauben. Aber immerhin lernte ich so, dass ich es in Zukunft wohl besser zu Hause ließ.

Einige Wochen später waren ich und mein Bruder mit meinem Vater einkaufen. Und wie es der Zufall so wollte, war auch Louis da. Theoretisch hätte ja alles gut gehen können, wäre da nicht mein Bruder gewesen der durch das ausheulen Wochen zuvor natürlich alles mitbekommen hatte. Sein Vorschlag: “Ey, sag ihm doch endlich das du in ihn verknallt bist”, Haha, dachte ich, das mache ich bestimmt.. Das ich das nicht sagen brauchte, ist glaube ich jedem, inklusive Louis, nach meinem Tagebuch klar gewesen. Mein Bruder hat leider einige kleine Problemchen. Eines dieser Probleme ist, dass wenn ich mich etwas nicht traue er mich dazu zwingt in dem er mir droht es sonst selbst zu tun. Dazu gehörte auch diese Situation. Er wollte also wie schon erwähnt, das ich es Louis sage. Natürlich tat ich nichts der gleichen. Was meinem kleinen Bruder nicht gefiel. Er rief Louis einfach mal so eben quer durch den Laden durch zu mir rüber. Kaum hatte er sich in unsere Richtung gedreht schrie ich meinen Bruder im öffentlichen Geschäft an “wie er so etwas tun könne”. Das das nicht clever war erfuhr ich die Sekunde darauf. Jetzt schaute mich nicht nur mein Crush, sondern auch der Rest der Anwesenden Personen an. Mein Vater beendete das Horrorszenario und ging mit uns zur Kasse.

Gerne würde ich sagen dass es danach ruhiger wurde, aber ich habe wohl eine unausgesprochene Begabung dafür in peinliche Situation zu geraten. Ihr erinnert euch an seine “Freundin” und meine “Beste Freundin”? Sie und ich hatten ein sehr ernstes Gespräch auf B*tchfight-Schnulzen Niveau im Flur der Schule. Leider erinnere ich mich nicht mehr an alles, aber sie wollte mit mir sprechen weil ich etwas von “ihrem Freund wollte”. Sie erzählte mir wie sehr sie doch an ihm hing und ich brüllte wutentbrannt zurück: “ICH LIEBE IHN ABER AUCH!”, gut bis jetzt war es furchtbar tragisch und echt peinlich. Aber das Universum bewies mir das es eben doch noch viel peinlicher gehen konnte. Denn alle Schüler die sich auf dem Flur zu diesem Zeitpunkt aufhielten (was Ausnahmsweise zu meinem Glück wirklich mal nicht viele waren) starrten mich jetzt an. Doch so gut timen wie ich eben kann, öffnete sich kurz bevor ich brüllte die Tür zum Flur. Jetzt ratet mal, wer den Schulflur genau in dem Moment betrat? Richtig, Louis! Er sah zu mir und seiner damaligen Freundin herüber, drehte um und lief ohne weitere Worte wieder zurück in die Klasse. Ja er hatte alles gehört.
Wie jedes gute Drama, endet auch dieses hier…Fast. Wie es weiter ging? Ich schrieb ihm auf den Rat einer anderen Freundin hin, nachdem ich in der fünften Klasse endlich mein erstes Handy hatte, das ich ihn liebe. Er antwortete, dass er mich nicht liebe, aber wir Freunde sein könnten. Kennt ihr diesen Moment Ladies? “Wir können ja Freunde sein” “Freunde?” (Bei Jungs wäre es jetzt “bro”) Und was sollen wir als Freunde machen? Tic-Tac-Toe Spielen? Nein, mit dir spiele ich lieber Galgenmännchen. Zum Glück schrieb ich das damals nicht so zurück. Am nächsten Tag in der Schule saß er ausgerechnet mir gegenüber. Ich glaube wirklich er traute sich nicht zu mir hinüber zu schauen. Was verständlich ist. Denn vermutlich blickte ich ganz genau wie Lavender Brown aus Harry Potter, nachdem Ron sich für Hermine entschieden hat zu ihm zurück.

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