Psychologie

Sexismus – Wir sind das Ergebnis der Natur, nicht das der Spielzeugfabrik!

Ich möchte diesen Artikel mit ein paar sexistischen Aussagen beginnen die ich erst in letzter Zeit gehört habe. Bei einigen der folgenden Aussagen braucht man vielleicht sogar einen Moment um zu verstehen, was da eigentlich gerade gesagt wurde. Ich möchte mit diesem Artikel jedoch gegen niemanden gehen, das ist kein Angriff, nur ein Hinweis darauf was noch immer in den menschlichen Köpfen drin streckt und ein Versuch darin zum Nachdenken anzuregen.

“Ich schminke mich doch nicht – das wär ja total schwul!” – Mein Bruder, 13 Jahre, auf den Vorschlag hin sich die Augen doch mal zu versuchen etwas dunkel zu schminken.

“Aber du bist jetzt nicht auch so eine von den Feministen? Also so eine völlig extreme?” – Junge, 13 Jahre. (Offensichtlich auf der falschen Seite von TikTok unterwegs..)

“Ja ich will nicht das man mich mit der so in der Öffentlichkeit sieht, sie hat so bisschen den Schlampenstatus und in der Zeit in der ich sie kenne mit 3 Typen was..” – Einer meiner besten Freunde, 18 Jahre, über seine beste Freundin. (Aber der beste Freund der genauso tickt “lebt sich ja nur aus Lachemoji)

“Ja aber Schuhe ausziehen, weil mit Schuhen laufen wir nicht im Auto, denn meine Frau kann ja nicht immer noch ständig sauber machen” – Reisender im Bus, aus der Doku “Eine Familie steigt aus – Mit dem Bus um die Welt”, NDR.

“Ich mag prinzipiell keine weiblichen Komiker, die können das einfach nicht – finde die alle lahm” – ehemaliger Freund von mir, 16 Jahre. (Er kennt auch sicher “alle” Komiker*Innen..)

“Ich habe auch keine Talente-” “Papas ganzer Stolz”, – Typen (wie auch Frauen!) unter Tanzvideos von leicht bekleideten Frauen auf Instagram, die selben Videos bei Oberkörperfreien Jungs/Männern kommen jedoch gut an.


Sexismus gibt es. Auch in 2021. Es lässt sich zwar sagen dass es zur Zeit voran geht und sich nach und nach einiges entwickelt. Aber das es voran geht, heißt nicht das man weniger dafür tun muss. Im Gegenteil. Noch immer braucht es Menschen die auf Ungleichheit aufmerksam machen. Noch immer gibt es Menschen die sich für Gleichberechtigung einsetzen und dennoch in alte Muster fallen – weil es noch immer in den Köpfen so drin ist. Und deshalb habe ich diesen Artikel geschrieben. Ich möchte im folgenden Abschnitt Situationen, bzw. Gegebenheiten ansprechen die im 21 Jahrhundert längst veraltet, und dennoch Alltag sind.

  • Eine Frau die bei der Hochzeit ihren (Mädchen)Nachnamen beibehalten will, wird häufig in die Kategorie “spießige Feministin” sortiert. Aber was ist denn eine spießige Feministin? Eine Frau die sowohl auf Ihre als auch die Rechte aller anderen Frauen aufmerksam macht? Dann bin ich doch gerne eine spießige Feministin, sollten wir alle – Mann wie Frau wie Divers – sein. Und man sollte im Jahre 2021 als Frau den eigenen Nachnamen beibehalten dürfen ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen.
  • Vor nicht all zu langer Zeit hat der Musiker Harry Styles für das Cover der Vogue ein Kleid getragen. Die Reaktionen kann man sich vorstellen. Es wurde nicht nur sein Dasein als Mann angezweifelt, sondern auch seine sexuelle Orientierung.
  • Das gleiche passiert noch immer Männern die sich gerne schminken. Ich persönlich finde es macht manche Männer sehr attraktiv wenn sie Eyeliner tragen, aber darum geht es hier ja nicht. Als ich mit meinem Bruder darüber diskutierte ob er das nicht auch mal für sich ausprobieren möchte, fiel die Aussage Jungs mit Make-Up wären alle Schwul. Make Up und Kleidung unterstreicht also nicht unsere Individualität, sondern lediglich unsere Sexuelle Orientierung?
  • Lesbische Pärchen die gefragt werden wer denn der Mann in der Beziehung sei. Fehlt Frauen (die sich zudem auch noch nur zu Frauen hingezogen fühlen!) denn nach manchen Ansichten immer noch ein Mann? Ist Frau nicht Frau ohne Mann?
  • “Also ich mag das unnatürliche Make Up ja nicht. Schmink dich lieber natürlich, das gefällt den Männern auch besser.” Sicher, wir Frauen schminken uns zwei Stunden damit wir so “natürlich wie davor aussehen”, und wir schminken uns auch nur um der Männerwelt zu gefallen, nicht etwas weil es uns Frauen einfach gefällt. (Ich hoffe die Ironie war deutlich genug.)
  • Weibliche Nippel werden auf Instagram sofort gelöscht. Auch wenn es sich um ein rein ästhetisches Bild handelt. Instagram möchte Kinder vor pornografischen Inhalten schützen, das ist auch richtig. Aber Kinder schützt man so nicht vor Pornografie. Denn weibliche Brustwarzen sind das natürlichste der Welt. Was sollen die Kinder lernen? Dass das was sie die ersten Monate ernährt hat was schlimmes ist? Das es ein Tabu Thema ist? Das sie weiterhin sexualisiert werden? Da sind andere Kulturen aber schon lange Zeit deutlich weiter als wir in unserer westlichen Welt… Aber zum Glück gibt es ja “male nipples” (männliche Nippel), wenn wir die als Sticker einfach über unsere weiblichen, fast identisch aussehenden kleben bevor wir das Bild posten dann ist alles in Ordnung!
  • Besser trifft es Frauen auch auf der Plattform TikTok nicht. Männer dürfen beliebig freizügig posieren und tanzen, die Kommentare sind voll von Komplimenten und Herz-Augen. Aber zeigt ein Mädchen sich im Bikini oder Bauchfrei beim tanzen findet man Kommentare wie: “Keine Sorge, Ich habe auch keine Talente” oder “Papas ganzer Stolz”. Die Ungerechtigkeit dahinter könnt ihr selbst erkennen. Auch trifft es (junge) Mütter die Trends mit machen bei denen sie sich erotisch zeigen. Diese Frauen dürfen Kommentare wie “das arme Kind Kotzemoji” lesen, verliert eine Mutter etwa Ihr Recht als Erwachsene selbstständig zu entscheiden wann sie sich sexy gibt und wann nicht? (solange das Kind es nicht mitbekommt, aber das wissen diese Frauen selbst und darum geht es gar nicht) Nach der Annahme hat eine Mutter nur noch ein leben nach der Geburt ihres Kindes um das sie sich zu kümmern hat: Und das ist das des Kindes. (Auch hart getroffen werden Teenager die bereits Mütter sind, alle in den Kessel “zu unreif”)
  • Menschen mit Uterus zahlen mehr aufgrund ihrer Periode. Es gibt noch immer keine Ermäßigung für Binden, Tampons, Menstruationstassen und Schmerzmittel. Wir suchen es uns auch aus einmal im Monat zu bluten, es macht einfach wahnsinnig viel Spaß, verständlich das man da keine Ermäßigung braucht..schließlich verdienen die meisten Frauen ja auch verdammt gut..
  • … Beziehungsweise nein tun sie ja gar nicht! Frauen verdienen nämlich im Schnitt noch immer weniger Geld als Männer. 2017 hat eine Studie herausgefunden das Männer im Durchschnitt 21 Euro Stundenlohn haben, während es bei Frauen “nur” 16,59 Euro sind. (*Seite unten verlinkt) Das liegt unter Anderem daran das Frauen häufiger soziale Jobs annehmen (die ohnehin viel zu schlecht bezahlt sind, aber dazu wann anders mehr.) Die deutliche Mehrheit der Führungskräfte in Firmen sind nämlich Männer, und bei Beförderungen sieht es für Frauen nicht immer all zu gut aus. Und wer jetzt sagt das Frauen sich eben einfach mehr anstrengen müssen an solche Positionen zu kommen und nicht gleich beim Sozialen Beruf stehen bleiben sollen, der lässt etwas wichtiges außer Acht. Frauen zwischen 20 und 35 Jahren haben häufig viel schlechtere Karten gute Stellen zu bekommen, denn bei Ihnen ist ja höchst wahrscheinlich Familienplanung ein Thema und das passt den Arbeitgebern natürlich nicht. Wenn die Frau den Job hat und dann erstmal in Mutterschutz muss ist das ungünstig für die Betriebe. Allerdings gibt es auch wenige Ausnahmen an Jobs in denen Frauen mehr verdienen. Tatsache ist jedoch: Es muss sich etwas ändern.
  • Sexuelle Belästigung ist noch immer ein Thema. Fast jede Frau wurde schon mal belästigt oder hat online bedrängende Nachrichten erhalten. Es ist mir schon passiert das auf einer Veranstaltung sich ein fremder Typ von hinten gegen mich gedrängt hat und seine Arme um mich legte, offensichtlich war mein freundliches Lächeln zuvor ein “Ja drücke dich ruhig an meinen Hintern”. Über die Nachrichten die Frauen und Mädchen auf Instagram erhalten müssen wir nicht groß diskutieren, jeder weiß was dort abgeht. Und so geht es vielen, wenn nicht sogar allen Frauen. Etwas das dringend aufhören muss!
  • Schwangere dürfen nicht überall entscheiden ob sie abtreiben möchten oder nicht. Es ist der weibliche Körper und nur die schwangere Frau hat zu entscheiden was damit geschieht. Moralische Vorstellung außen stehender, oder gar Männlicher Politiker die ohne direkten Bezug Gesetze verhängen haben da nun mal nicht mit zu mischen. Jeder darf eine eigene Meinung haben, aber keiner darf das Recht haben nach seiner Meinung über andere zu entscheiden. Das gilt auch für ein heikles Thema wie Abtreibung.
  • Männer die mit vielen Frauen schlafen genießen ihr Leben in vollen Zügen und sind bloß “frei”, Frauen die mit vielen Männern schlafen sind Schlmpen, Hren, Kabas, Flttchen oder Ntten. Aber wie nennt man denn einen Mann der mit vielen Frauen schläft? … Ja mir fällt auch nichts ein. Oder seid ihr auf “männliche Hre” gekommen? Ja merkwürdig das man wenn Männer sich so verhalten ein “männliche” davor setzen muss, als wäre es etwas sehr außergewöhnliches dieses “schlimme” Verhalten bei Männern zu erleben.
  • Frauen sind häufig mit Ihrem Körper unzufrieden oder wollen sich ändern. Frauen die “zu dick” (dabei gibt es kein zu dick, höchstens ein “zu ungesund”, aber das hat nicht zwingend was mit Gewicht zu tun) sind machen als Jugendliche strenge Diäten, hungern sich aus bis auf die Knochen oder trauen sich nicht ohne Make Up vor die Tür, weil ihr Gesicht nicht zu dem von Madison Beer passt. Körperbehaarung zu zeigen als Frau ist selten und “selbstbewusst” es wird aufgeschrien und groß geschaut wenn man mal was sieht. Können wir es nicht einfach normalisieren das auch Frauen Geschöpfe der Natur und nicht der Spielzeugfabrik sind?
  • Gleiches gilt aber auch für die Herren der Schöpfung. Männer die nicht 1,80 oder größer sind werden teilweise von Mädchen sofort abgelehnt, als würde es nur um ihre Körpergröße gehen. Zierliche Männer/Jungs werden nicht als männlich genug angesehen, als würde es ein bestimmtes Aussehen geben das Männlichkeit definiert.
  • Ein Vater ist mit seinem Sohn im Zug unterwegs. Der Zug baut einen schlimmes Unfall. Der Vater stirbt noch vor Ort. Doch der Sohn kann mit schweren Verletzungen überleben und wird auf sofortigem Weg ins Krankenhaus gebracht, wo er operiert werden soll. Der diensthabende Arzt blickt den Jungen an und sagt: “Ich kann diesen Jungen nicht operieren, er ist mein Sohn.”

Betrachtet diesen Artikel als Hinweis darauf, was noch Veränderungen braucht. Zum Glück werden immer mehr Menschen auf die Ungerechtigkeit, die teils Männer, aber überwiegend Frauen trifft, aufmerksam und wir unternehmen von Jahr zu Jahr mehr dafür das Sexismus kein Problem in der Gesellschaft mehr ist. Doch es braucht noch mehr Arbeit bis das “Sexismus” Problem vollends beseitigt ist. Danke fürs lesen, unten findet ihr wie immer Quellen die ich zum informieren neben eigener Erfahrung nutzte. Außerdem habe ich eine Liste mit Empfehlungen anderer Artikel zusammengestellt, die sich ebenfalls mit dem Thema auseinander setzen. In den Kommentaren könnt ihr gerne eure Meinung hinterlassen! Man liest von sich, Naima. 🙂

Empfohlene Artikel zum Thema:
https://www.a-n-a.com/shop/blog/lifestyle/alltagssexismus-so-nicht
Auch einen interessanten Artikel zum Thema “Alltagssexismus” findet ihr von Anna (Ink ob Books) hier: https://inkofbooks.com/wo-ist-der-alltagssexismus

Quellen:

Und vergesst nicht: Feminismus ist nicht gegen Männer. Feminismus ist lediglich für Gleichberechtigung. 😉

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