Psychologie

Das System deutscher Schulen – zu alt für die junge Generation?

Nichts erscheint mir so veraltet wie das Schulsystem. Ich lerne gerne, sehr gerne, und manchmal wenn ich mich mal wieder über die Schule aufrege scheint es mir als würde das Schulsystem das Wort “lernen” missbrauchen. Schüler zucken schon zusammen wenn sie nur hören sie sollen lernen. Und kein Schüler würde bei einer Umfrage wo sie sich am liebsten aufhalten Schule angeben. Ist das nicht irgendwie erschreckend? Sollten wir nicht mit den Möglichkeiten die wir heute haben auch arbeiten und das Schulsystem so überarbeiten das man sich gerne dort aufhält und auch gerne lernt?
Ich gehöre zu der Sorte Schüler die Schule verachten. Und weshalb? Das meiste ist so langweilig gestaltet und viel zu viel, und wenn man dann noch keinen interessanten Lehrer hat, ist die Motivation sowieso völlig hinüber. Ich erfülle meine nötige Anwesenheitspflicht und mache widerwillig und mit Zähne knirschen meine Hausaufgaben. Und trotz dieses Verhaltens das ich der Schule gegenüber zeige, liebe ich das lernen. Privat besitze ich einige Lehrbücher und bringe mir die Inhalte selbst bei. Ich höre Podcasts und schaue Dokus. Dazu gehören besonders Sprachen und Themen wie Philosophie, Psychologie, das Leben, Ziele und Feminismus.

Ich werde diesen Artikel in folgende 3 Abschnitte einteilen:

  1. Was muss verändert werden?
  2. Der Unterrichtsstoff – was brauche ich wirklich?
  3. Meine Ideen

Was muss verändert werden?
Dass das Schulsystem grundlegende Veränderungen braucht, denkt, soweit ich es mitbekommen habe, die Mehrheit. Ich bin selbst Schülerin, und davon überzeugt das man gerade Schüler/innen einmal mit einbeziehen sollte in Veränderungen die vorallem sie betreffen. Sicher, einige Schüler werden nicht ernsthaft darüber nachdenken und nur zu ihrem Vorteil (im Sinne von Schule schwänzen etc.) entscheiden, aber dennoch brauchen auch wir “junge Leute” die Möglichkeiten uns mitzuteilen.
Wann fängt der Unterricht an? Ich finde es im Jahr 2020 nicht mehr angemessen um 6 Uhr aus dem Tiefschlaf gerissen zu werden damit man um 8 Uhr, zwar völlig müde und absolut nicht konzentriert, aber immerhin anwesend, in einem kühlen Klassenzimmer sitzt und auf eine Tafel starrt.
Weiterhin müssen die neuen Möglichkeiten die wir haben für Lehrmaterialen genutzt werden . Für jedes Fach ein Buch herum zu schleppen ist doch mittlerweile völlig überflüssig? In der achten Klasse hatte ich täglich 9 Kilo zu tragen (ja wir haben es gewogen). Volle Seiten von der Tafel abschreiben um den Stoff zu “verinnerlichen” während wir Schüler mit Gedanken beim Wochenende und bei unseren privaten Problemen (ja so etwas hat man in der Pubertät!) sind bringt sicherlich auch nicht all zu viel. Zu viel auf die Tafel schauen langweilt. Unter meinen Freunden sind besonders die Fächer beliebt in denen wir viel diskutieren können mit den Lehrern und anderen Schülern. (übrigens sind das auch die Fächer wo wir am meisten Inhalt mit raus nehmen aus der Stunde) Über wichtige Themen zu sprechen, und Meinungen auszutauschen ist meiner Meinung nach so viel mehr Wert als abwechselnd Texte zu lesen und dazugehörige Aufgaben stumm zu lösen.
Die Hausaufgaben, wieder stumm Aufgaben lösen, bringen so wie sie zur Zeit sind auch absolut nada. Ich verstehe das Schüler sich mit dem Stoff auch nach der Schule nochmal auseinander setzten sollen, aber ganz ehrlich, das schafft man nur wenn man es interessant für Schüler gestaltet. Wenn Schüler den Stoff langweilig finden wird keine Motivation kommen, und ohne Motivation werden Schüler nie Spaß an der Schule haben. Und ohne den Spaß bleibt es für Lehrer wie Schüler und Eltern eine Qual.
Ebenfalls müsste man das Verhältnis zwischen Lehrern und Schüler bessern. Schüler wissen das Lehrer über ihnen stehen, und das ist auch gut so, natürlich muss man als Schüler auf jemanden hören. Dennoch sollte man sich auf gleicher Ebene anblicken können. Schüler sollten zu Ende sprechen dürfen bei einer Diskussion. Lehrer sollten nicht lediglich eine Lehrperson sein, sondern sie sollten auch eine Person sein, die sich für den Schüler interessiert und ihm gegenüber offen ist.
Auch an dem Bewertungssystem kann bzw. muss so einiges geändert werden. Noten sagen aus ob jemand genug Zeit hatte sich den Stoff in den Kopf zu hauen und auswendig wieder zu geben, aber sie sagen nicht aus ob jemand motiviert war, sich interessiert hat, sein bestes gegeben hat, und vor Allem sagen sie nicht aus das man das “gelernte” in 5 Jahren noch weiß.
Zusammengefasst:

  • Die Unterrichtszeiten
  • Das (nicht) notwendige Lehrmaterial
  • Langweilig gestaltete Stunden
  • Einseitige Hausaufgaben
  • Verhältnis zu Lehrern/Schülern
  • Noten kriegen ja, nein?

Der Unterrichtsstoff – Was brauche ich wirklich?
Mein Lieblingsbeispiel ist die Horrorphase der neunten Klasse: Der Borkenkäfer! Interessantes Teil nicht? Ja das stimmt sogar, es war gut mal von ihm zu hören, nur weiß ich mittlerweile mehr über die verdammte Fortpflanzung des Borkenkäfers als über meine eigene. Ich bekomme immer mehr Kritik von Schülern am Schulstoff mit und da schließe ich mich nur all zu gerne an. Vor kurzem gab es einen Trend auf einer Plattform auf der junge Erwachsene sagten was sie gerne gelernt hätten in der Schule. Dazu gehörten vermehrt Dinge wie: Haushalt, Steuern, gesunde Ernährung und Selbstliebe.
Da wir im Jahr 2020 alle im Stande sind innerhalb weniger Sekunden Antworten auf vieles im Netz zu finden, ist das Auswendig Wissen von Formeln die man ohnehin nur selten gebrauchen würde unwichtig. Schüler wissen wie sie schnell an benötigte Informationen kommen. Früher war es wichtig Dinge zu lernen um sich vom “normalen” Volk hervor zu heben um zu zeigen wie gebildet man war. Heute muss man die ganzen Jahreszahlen nicht mehr auswendig wissen, wenn einem eine Attraktion bekannt ist kann man in kürzester Zeit online das Datum heraus finden. Brauche ich in Fächern wie Chemie, Geschichte und Physik wirklich alles, oder nur Grundwissen? Und muss man in Sport wirklich Jahr für Jahr den selben doofen Zyklus aus dem 18 Jahrhundert durchgehen, oder sollten wir wohl möglich einige weitere Sportarten kennen lernen und unser Wissen so bessern das wir uns später auch selbstständig fit halten können?

Meine Ideen
Zu den Zeiten lässt sich sagen, das die wenigsten davon begeistert sind Morgens so früh auf den Beinen zu sein. Viele haben dann noch nicht die nötige Konzentration zum lernen, daher wäre es sinnvoll den Unterricht erst um 9 beginnen zu lassen.
Statt für Jahre lang fest gelegte Fächer, sollte man früher einzelne Bereiche wählen können. Natürlich gehören Mathe, Deutsch, Englisch zu den wichtigsten Fächern und diese sollte man auch weiterhin festgelegt haben. Dennoch sollte man Fächer bei denen Lehrer, Eltern und Schüler merken das sie es über längere Zeit nicht mit haben, die Lernzeiten vom jeweiligen Fach kürzen und sich stattdessen in den Bereichen bilden die ihnen liegen und Spaß machen. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel das man 8 wöchige Kurse zur Verfügung stellt, die ein bestimmtes Thema in einem jeweiligen Fach abdecken. Grund”Kurse” klären über das nötigste auf und wer viel Spaß daran hat kann nach den Acht Wochen einen weiteren Kurs zu dem Thema wählen. Man könnte eine gewisse Anzahl an Kursen festlegen die jeder abgeschlossen haben muss weil es das nötige Grundwissen ist, zwischen den restlichen Kursen sollten die Schüler dann immer aufs neue frei wählen können um sich dort zu bilden wo es für sie interessant und wichtig ist. So könnte man auch Kurse zum Thema Gesunde Ernährung, Selbstliebe und Glück anbieten.
Zu den Unterrichtsstunden selbst kann ich sagen das Projekte viel mehr Spaß machen. Mehr Vorträge, oder auch kleine Infohefte die Schüler selbst erarbeiten könnten wäre eine Idee. In Fächern wie Englisch, Französisch und Spanisch könnten mehr Hörbeispiele eingebaut werden. Und wieso können Schüler nicht in diesen Fächern einen Film in der jeweiligen Sprache aussuchen und sich diesen mit der Lehrkraft anschauen, man könnte ab und an pausieren und das Gesprochene nachsprechen. Überhaupt sollte man in Fächern die das Sprachen lernen fördern sollen mehr sprechen. Und auch so ist Sprache etwas das viel mehr Raum brauchen würde in Schulen. Fragen zu beantworten ist das eine, aber lernen tut man wenn man sich über etwas genauer austauscht. Wenn man seine eigene Meinung zu etwas bildet und diese vor der Klasse vertritt. In Sport ist es dasselbe. Wieso immer wieder das selbe machen? Wieso gibt man nicht Kurse und kann wählen zwischen Sportarten. Jeder liebt Musik und hat gleich so viel mehr Spaß wenn er/sie hören kann (Das ist zum Beispiel auch eine Idee für Kunst Still-Arbeiten), wieso gibt man nicht Tanzkurse, natürlich nicht auf dem Niveau wie Tanzschulen, aber sich zu Musik bewegen kann nun wirklich (fast) jeder, und fit hält es auch. Oder man gibt eben Kurse für Fußball, Hockey, Basketball, Lauftraining etc.
Hausaufgaben. Wir hatten mal eine Lehrerin die zu Beginn des Schuljahres sagte sie wird keine Hausaufgaben geben, nur freiwillige Arbeitsblätter die man ihr abgeben kann und die ein plus geben. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie viele Schüler die freiwilligen Aufgaben gemacht haben! Man hatte Motivation, denn man hat etwas davon gehabt diese Blätter zu bearbeiten, und da sie keine Pflicht waren war es auch nicht schlimm wenn man doch mal was vergaß. Die Mitarbeit war bei ihr ebenfalls im gesamten “Klasse”. Als sie ging waren wir alle traurig da es mit ihr so viel Spaß gemacht hat, sie schrieb sogar jedem eine persönliche Notiz. Kein Wunder das man als Schüler solche Lehrer mag. Man hat viele Projekte gemacht, wurde nicht mit Strichen bestraft wenn man die Hausaufgaben mal vergessen hat und sie hat sich auch noch für jeden einzelnen interessiert. Wenn es dann doch mal vor einer HÜ die Hausaufgabe “lernen” gab hat man das dann auch getan – freiwillig.
Lehrer sollen den Schülern den Stoff beibringen, das ist richtig und auch gut so. Aber einige Lehrer haben gar keine Verbindung zu ihren Schülern, dann funktioniert nun auch mal das “lernen” nicht. Sie wissen nicht, was uns beschäftigt, was wir für Musik hören oder wie wir das Internet nutzen. Würden Lehrer sich versuchen ein Stück weit mit ihren Schülern und deren Da-sein zu beschäftigen würde auch das unterrichten besser funktionieren.
Zu den Noten kann ich auch etwas sagen. Natürlich muss man als Schüler in irgendeiner Form Rückmeldungen erhalten. Jedoch reicht es nicht aus einem einfach nur eine Zahl auf ein Blatt zu klatschen die aussagen soll was der Schüler kann. Der Fokus müsste viel mehr auf Dinge wie Mitarbeit, Interesse, Motivation und Anstrengung des Schülers liegen. So das die letztendliche Leistung die man gibt, einem nicht alles ruiniert nur weil einem ein Fach eben nicht liegt.
Auch sollte man Möglichkeiten wie das Internet heute in Schulen nutzen und nicht mehr als Fremdwort ansehen. Mit Laptops, Tablets und Handys muss heute jeder umgehen können, auch im Berufsleben, also weshalb bindet man so etwas nicht schon in den Unterricht mit ein?

Das war es dann auch mit meinem Artikel zum derzeitigen Schulsystem. Ich möchte nochmals anmerken, das vieles hier meine persönliche Meinung und Wahrnehmung ist und es natürlich jeder anders sieht.
Danke für alle die wieder bis hier hin gelesen haben! 🙂
Unten findet ihr wie immer eine Ansammlung mit Links die euch zu Seiten führen die ich genutzt habe für meine Recherche und Meinungsbildung. Im Kommentarfeld könnt ihr gerne eure Meinung zu meinem Artikel und dem System hinterlassen.

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schulsystem_in_Deutschland#:~:text=In%20der%20Bundesrepublik%20Deutschland%20besteht,und%20Gymnasium%20mit%20drei%20Schulabschl%C3%BCssen.
https://de.quora.com/Gibt-es-etwas-das-Du-am-Schulsystem-%C3%A4ndern-w%C3%BCrdest
https://www.bigkarriere.de/karrierewelt/schule/hausaufgaben-abschaffen
https://www.lernstudio-wattenscheid.de/service/wissenswertes/294-sollten-hausaufgaben-abgeschafft-werden.html
https://ze.tt/bildungssystem-zehn-jahre-schule-und-trotzdem-nichts-fuers-leben-gelernt/

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