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Der Bund der Ehe

Es gibt Menschen die sind mit etwas in ihrem Leben so unzufrieden dass sie auf merkwürdige Ideen kommen mit denen sie hoffen ihr Leben zum besseren zu richten. Manche Menschen wünschen sich Talente oder Gaben, doch die meisten Leute unserer heutigen Zeit wünschen sich bloß Reichtum und Macht. Nicht so Kelly Marford.

Eine Frau, circa 45 stand an einem geöffneten Fenster. Ihre Arme waren auf die Fensterbank gestützt und sie blickte auf den Friedhof des kleinen Ortes den man durch das Fenster perfekt sehen konnte. Ein Marmorstein viel ihr immer besonders auf. Denn er hatte immer frische Blumen auf dem Grab liegen. Ausgewechselt wurden sie immer noch bevor sie auch nur anfingen zu verkümmern. Die Frau seufzte leise und sah Gedankenverloren in den blauen, von Wolken bedeckten Himmel.

Kelly war Mitte 20 als sie einen großen Fehler begann um das zu erhalten was sie sich so ersehnte, ein Fehler der ihr heute noch nachsagte. Ein Fehler der ihr bis zu ihrem Lebens-Ende nachsagen würde und vielleicht sogar darüber hinaus. Dabei hatte die blonde Frau doch bloß einen ganz normalen Wunsch gehabt. Einen Wunsch denn wir alle irgendwann verspüren. Den Wunsch nach Liebe, echter Liebe. Ob man jetzt nun an sie glaubt oder nicht spielt keine Rolle. Der Wunsch nach wahrer Liebe steckt in uns allen. Kurz nach dem 26 Geburtstag von Kelly gab sie es auf mit der Liebe. Zwei Männer hatten sich für sie interessiert gehabt in den letzten 15 Jahren und beide samt blieben nicht länger als zwei Jahre. Sie hatte oft überlegt ob es an ihr lag, doch die Leute reden viel und so bekam sie mit das ihre Ex-Partner wohl mit all den anderen Freundinnen die sie gehabt hatten auch nicht länger zusammen waren. Mit ihr wurde also bloß gespielt nachdem die erste Liebe verblasst war.
So kam es das sie in einem nicht mehr ganz so klarem Zustand auf einer Party mit ihrer besten Freundin der es genauso erging über die Liebe redete. Ihre Freundin, Loula, hatte gerade eine Trennung hinter sich und litt noch sehr darunter. Die beiden fassten einen riskanten Entschluss. Sie würden sich ihre Liebe erkaufen. Nein, nein, vielleicht mag jetzt der ein oder andere an etwas völlig falsches denken, aber das war es nicht was sie meinten. Was sie beschlossen hatten war ein Pakt. Nicht aber unter den beiden selbst. Jede von ihnen würde einen eigenen Pakt schließen. Mit einem Dämon. Sie würden ihre Seele gegen Liebe verkaufen. Als sie den Vertrag schlossen wollten sie sicher gehen das sie sich klar ausdrückten und so erwähnten sie mehrmals; “Ich möchte einen Liebhaber der mir Sonntag morgens Frühstück ans Bett bringt. Jemanden der mir jede Woche Blumen bringt. Jemanden dem ich alles erzählen kann. Jemand der mich unendlich liebt”

Die Frau drehte sich vom Fenster weg, sie zog die Gardinen wieder vor das himmelsblau und ließ das Fenster geöffnet um frische Morgenluft herein zu lassen. Sie ging ein paar Schritte zu ihrer Kommode. Die Beine etwas nach vorne gestreckt, lehnte sie sich mit der Hüfte gegen das hell-braune Holz. Ihre Augen wanderten durch das Zimmer und blieben schließlich bei dem Nachttisch neben ihrem Bett hängen. Ein Holzbrett stand darauf. Auf dem Holzbrett befand sich ein Teller mit Croissant und Marmelade. Daneben war frisch gepresster Orangensaft und eine kleine Schüssel Trauben. Sie schluckte. Sie hatte das Essen nicht angerührt. Und doch bekam sie es seit Jahren jeden Sonntag liebevoll serviert.

Die junge Kelly traf sich damals daraufhin fast jeden Tag mit Loula. Sie hatten eine Menge zu bequatschen. Und es dauerte nicht lange bis die Beiden tatsächlich einen jungen Mann in ihrem Alter kennen lernten. Sie beide hatten unglaublich Glück. Ihre Männer waren beide nicht nur charismatisch und intelligent sondern sahen dazu noch ziemlich gut aus. Loula und Kelly trafen sich weiterhin, doch mit den Monaten der Beziehung wurden es weniger Treffen und schließlich sahen sie sich vielleicht nur noch zweimal im Jahr. Auch sonst trafen die jungen Frauen kaum noch andere Leute. Sie schienen überhaupt niemanden mehr zu sehen außer ihren Liebhabern. Diese taten alles für sie. Die beiden Freundinnen wurden überall hin geleitet, zum Essen ausgeführt, bekamen sogar einige weitaus kostspieligere Wünsche als Essen gehen beim Fünf Sterne Spanier bezahlt. Sie lebten in ihrer Rosaroten Welt, sie merkten nicht wie sie langsam auf einen falschen Weg gerieten. Nach knapp 4 Jahren entschied sich Loula ihren Angebeteten zu heiraten. Kelly bekam auf der Hochzeit ihrer besten Freundin kaum etwas mit, zu sehr schaute sie fast durchgängig ihren Zukünftigen an. Es dauerte so also auch nur einige Monate bis auch sie ebenfalls einen Heiratsantrag erhielt. Natürlich stimmte sie zu, doch mit diesem ersten ja war es auch für sie zu spät. Vor dem Traualtar erkannte sie erst was sie getan hatte.

Die Frau stieß sich mit einem seufzen von der Kommode ab und verließ das Zimmer. Die Treppen hinab, aus dem Haus und über den kleinen Fußgänger-Weg zum Friedhof ging sie. Das Tor quietschte kein bisschen als sie es öffnete, es war neu. Sie betrat den Steinweg und es knirschte unter ihren Füßen wann immer sie einen weiteren Schritt wagte. Sie ging zu dem Grabstein der ihr immer ins Auge stach. Seit 8 Monaten stand er nun schon dort. Die Frau verzog trauernd das Gesicht als sie den Namen las der so sorgfältig hinein gemeißelt worden war: Loula Az. Acht Jahre war sie verheiratet gewesen und dann starb sie. Niemand wusste was ihr geschehen war, niemand außer Kelly und umso bedrückter war die Frau die eben diese Kelly war als sie wusste das der selbe Tod sie in ein paar Wochen einholen würde.

“Und möchtest du, Kelly Marford, Dämon Az zu deinem Mann nehmen auf das ihr zusammen bleibt bis das der Tod euch in sieben Jahren scheidet?” Der Priester war eindeutig von böser Magie beeinflusst. Er wusste nicht wen er dort gerade mit wem verheiratete, doch der gut aussehende Mann der Kelly dort gegenüber stand, mit seinem feinen lächeln, hatte ein diabolisches Funkeln in seinen Augen. Sie hatte begriffen was sie gerade dabei war zu tun und doch konnte sie nicht zurück. Ihr Mund öffnete sich und sie hauchte ein dünnes “ja”

Kelly stand so vertieft in ihren traurigen, panischen und dennoch akzeptierenden Gedanken vor dem Grab ihrer damals besten Freundin das sie ein knirschen hinter ihr überhörte. Das knirschen der kleinen Steine. Sie wendete den Blick nicht um, doch schon legten sich kalte Arme um ihre Brust. “Meine liebe Kelly, weine nicht, sieh doch ich habe dir Blumen mitgebracht, deine Lieblings Rosen, so rot wie die untergehende Sonne.”

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